Zum 123. Geburtstag von Oskar Maria Graf (1894 – 1967)

Er war ein Exot, wohin er auch kam, der Bäckersbub aus Berg am Starnberger See, der Teil der Schwabinger Boheme wurde. Zum 50. Todestag feiert ihn seine Heimat nun mit einer Ausstellung im Münchner Literaturhaus, einem Festival in Berg und einer neuen Dokumentation im BR Fernsehen.

Capriccio im Internet unter: http://www.br.de/capriccio
Autor: Andreas Krieger

Zum 124. Geburtstag von Hans Fallada (1893 – 1947)

Hans Fallada – Im Rausch des Schreibens – Biografie 2016

Das Doku-Drama erzählt von Falladas wichtigster Schaffensperiode: Es gibt nicht nur einen tiefen Einblick in das Leben des Trinkers, Morphinisten und mehrfach unter Mordanklage stehenden Schriftstellers, sondern zeigt auch die Weltwirtschaftskrise, den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg aus der Perspektive Falladas, der diese Zeit weitab von Berlin auf dem Land verbringt.

Mit dem Schauspieler Michael Schenk als Hans Fallada wurden die wichtigsten Stationen im Leben des Ausnahmeschriftstellers in Szene gesetzt, der eigentlich Rudolf Ditzen hieß. Michael Schenk ist eine perfekte Besetzung: tiefe Gesichtsfurchen prägen das Gesicht des Schauspielers, er steckt sich im Film laufend neue Zigaretten an und kippt ein Glas nach dem anderen in sich hinein, wie im Rausch.

Kein anderer Schriftsteller beschreibt in seinen Romanen die Situation und Gemütswelt der Menschen dieser Zeit, insbesondere der „kleinen Leute”, mit solch einer Präzision wie Fallada. Er ist ein genauer Beobachter, sowohl seines eigenen rauschhaften Lebens wie auch seiner jeweiligen Umgebung. Mit Romanen wie „Bauern, Bonzen und Bomben” und „Kleiner Mann – was nun?“ ist Fallada in der späten Weimarer Republik ein gefeierter Autor. Doch zunehmend wird sein Leben von politischen Schwierigkeiten, Eheproblemen und seiner Drogensucht geprägt.

Im Film kommen unter anderem noch Falladas Biografin Jenny Williams und sein Sohn Achim zu Wort, der zwar seinen Vater kaum gekannt hat, von der Mutter aber einiges über ihn erfuhr.

«Jeder stirbt für sich allein» heißt schließlich Falladas schriftstellerisches Vermächtnis, bevor er 1947 im Krankenhaus stirbt.

Herta Müller: „Fremdenfeindlichkeit im Osten“ ist Vermächtnis des Sozialismus

Herta Müller beim Literaturfest München 2016 | Bild: CC-BY-SA 4.0, Heike Huslage-Koch

Für die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller ist „die Fremdenfeindlichkeit im Osten“ ein Vermächtnis, das „aus dem Sozialismus mitgeschleppt“ wurde und heute als unerträgliches Selbstmitleid kultiviert werde. Die in Rumänien aufgewachsene Schriftstellerin sagt in der Wochenzeitung DIE ZEIT: „Selbstmitleid ist immer abgrenzend, es ist eine Art umgekehrte Arroganz.“ Das „herausstechendste Merkmal jeder Diktatur“ aber sei Angst. „Die wird einem für immer mitgegeben. Man begreift schon als Kind, dass etwas nicht stimmt. (…) Diese Kindheit der Angst vergisst man nicht,“ erklärt Müller im ZEIT-Gespräch mit dem angesehenen polnischen Historiker Włodzimierz Borodziej.

Borodziej hingegen hat im wirtschaftlich stabileren Polen „keine Spur von Unterdrückung erlebt.“ Er schreibt Polen zwar ein tradiertes Gefühl der Rückständigkeit zu, doch weist er Spätfolgen des Sozialismus zurück: „Der Ostblock ist doch bereits vor 28 Jahren zusammengebrochen.“ Ausländerfeindlichkeit lasse sich vielmehr durch tiefe Enttäuschung erklären. So habe man in Polen „zunächst an einen westdeutschen Ablauf der Geschichte“ samt Wirtschaftswunder, Wohlstand und stabiler Demokratie geglaubt: „Das hat sich seit 2010 als Illusion herausgestellt. Das Wirtschaftswachstum korrespondiert nicht unbedingt mit wünschenswerten mentalen Einstellungen.“

Besinnung auf das Eigene sei nach Borodziej keine allein Osteuropa betreffende Entwicklung, da überall die „alten Demokratien“ durch die globalisierte Wirtschaft unter Druck geraten: „Überall haben wir es mit Nativismus zu tun. Es wird angenommen: Das unsrige ist in Gefahr! Sei es durch den Strukturwandel der Wirtschaft oder eben in Gestalt von Flüchtlingen. Man setzt wieder auf das Schweineschnitzel, nicht auf Kebab.“

Quelle:  www.zeit.de/vorabmeldungen.

Zum 125. Geburtstag von Walter Benjamin (1892 – 1940)

Walter Benjamin wollte in keine Schublade oder philosophische Schule passen, sein Werk blieb unvollendet – und doch zählt er zu den einflussreichsten Denkern des 20. Jahrhunderts, Intellektuelle wie Adorno und Kracauer bewunderten ihn als Genie. Lorenz Jäger erzählt das Leben des außergewöhnlichen Literaten: Er schildert Benjamins Kindheit in der Familie eines jüdischen Kunsthändlers, die Studienjahre in Freiburg und Berlin, wo die so anregende Freundschaft mit Gershom Scholem begann, die wechselhafte Beziehung zur Frankfurter Schule. Benjamin reiste nach Moskau, wo er sich vorsichtig der kommunistischen Bewegung näherte; im Pariser Exil diskutierte er mit Hannah Arendt und arbeitete am großen «Passagen-Werk», das Fragment blieb. 1940 floh er vor der Gefahr, nach Deutschland ausgeliefert zu werden, in das spanische Portbou, wo er sich das Leben nahm – ein Ende, rätselhaft wie vieles in Benjamins Leben und Schreiben.

Lorenz Jäger, geboren 1951, studierte Soziologie und Germanistik in Marburg und Frankfurt am Main, anschließend unterrichtete er deutsche Literatur in Japan und den Vereinigten Staaten. 1997 wurde er Redakteur im Ressort Geisteswissenschaften der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», das er seit 2015 leitet. Lorenz Jäger ist Autor mehrerer Bücher, darunter «Adorno. Eine politische Biographie» (2003).

Deutsche Literaturgeschichte in einer Stunde

Von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart – Eine Literaturgeschichte von einem Literaten!

Der Stil ist modern (für die PD), persönlich und amüsant zu lesen, z.B. „Er ist kein großer Dichter, aber ein Dichter: zu den Klassikern haben ihn nur die Fabrikanten von Klassikerliteratur gemacht: denen genügen Schiller, Goethe, Kleist aus Geschäftsgründen nicht, die Brautpaare verlangen beim Heiraten zur Komplettierung ihrer Wohnungseinrichtung eine ganze Klassikerausstattung: […]“
1 – Einführung
2 – Nibelungen, Walter von der Vogelweide
3 – Hans Sachs, Martin Luther, Andreas Gryphius, Christoph von Grimmelshausen
4 – Lessing, Klopstock
5 – Schiller, Goethe
6 – Arnim, Brentano
7 – Heine, Mörike
8 – Keller, Fontane, Storm
9 – Morgenstern, Trakl
Die einzelnen Abschnitt behandeln neben diesen berühmten Autoren auch die jeweiligen Zeitgenossen.
Deutsche Literaturgeschichte in einer Stunde (Hörbuch) Klabund

Uwe Timm – Die Freiheit zu Schreiben

Uwe Timm ist 1940 in Hamburg geboren. Timms Großvater war Kapitän und Uwe sollte – so der Wunsch des Vaters – einen ordentlichen Beruf lernen. Doch der Junge träumte schon früh davon, Schriftsteller zu werden.

Wie kaum ein anderer deutscher Autor ist er vielseitig; zu seinen Werke gehören politische Romane wie „Heißer Sommer“ (1974), Novelle wie „Die Entdeckung der Currywurst“ (1995) und Liebesroman wie „Rot“ (2001). Einer seiner größten Erfolge entstand für seine Tochter Johanna – das Kinderbuch „Rennschwein Rudi Rüssel“ (1989).

Außerdem sind die zwei autobiografischen Erzählungen beachtenswert; „Am Beispiel meines Bruders“ (2003) – Timms Bruder hatte sich freiwillig zur SS gemeldet und war in Russland gefallen – und „Der Freund und der Fremde“ (2005), über den Freund Benno Ohnesorg, der am 2. Juni 1967 bei einer Demonstration erschossen wurde. Timm zählt zu den meist gelesenen Autoren Deutschlands.